Ein Hoch auf die Schreibblockade!

Die Schreibblockade als wertvolles Warnsignal nutzen

Ich halte nichts davon, sich bei einer Schreibblockade dazu zu zwingen, einfach irgendwie weiterzumachen. Viel besser: Nutze die Chance, die dir die Schreibblockade bietet und finde heraus, was dich bremst. Auf diese Weise wirst du dich und deinen Schreibprozess besser kennenlernen und wertvolle Erkenntnisse gewinnen.

Schreibblockade: Warum „einfach weitermachen“ zu kurz gedacht ist

Schreibratgeber (so zum Beispiel auch Stephen King in „Das Leben und das Schreiben“) behaupten gerne, bei einer Schreibblockade sei es das Beste einfach weiterzuschreiben. Bloß nicht runter vom Pferd, immer schön weitermachen, um die Schreibblockade zu überwinden.

Genau wegen Empfehlungen wie dieser ist mein Verhältnis zu Schreibratgebern nicht das beste. Konkret habe ich zwei Kritikpunkte an der Strategie des Drüberhinwegschreibens:

  1. Warum sollte es nur einen Weg geben, der für alle Autorenpersönlichkeiten, für alle Buchideen, für alle Phasen des Schreibprozesses funktioniert?
  2. Selbst wenn die Schreibblockade mit der Strategie des Drüberhinwegschreibens kurzzeitig überwunden ist, hat sich an der Ursache des Problems sehr wahrscheinlich nichts geändert. Ich habe meinen Widerstand kurzzeitig bezwungen, aber nichts über mich und meinen Schreibprozess gelernt.

Die Schreibblockade als wertvolles Warnsignal nutzen

Keine Frage, Schreibblockaden sind schrecklich. Nichts geht mehr voran, der Autor muss warten, grämt sich, prokrastiniert vor sich hin, hinterfragt sein Können und sein Projekt. Ein sehr unschöner Zustand, den man verständlicherweise schnell überwinden will.

Doch jetzt unter Zwang einfach irgendwie weitermachen? Wie wäre es stattdessen, wenn du die Schreibblockade nicht länger als ärgerliches Hindernis, als Versagen, als Fehler im System siehst, sondern als wertvolles Warnsignal deines Unterbewusstseins, das dir sagen möchte,  dass irgendetwas mit dir oder dem Text gerade nicht im Reinen ist?

Wenn es dir gelingt, die Schreibblockade als Chance zu sehen, statt als Versagen, du die Aufgabe akzeptierst, die dir dein Unterbewusstsein in diesem Moment stellt, und du in den Dialog mit deinem Text und deinem schreibenden Ich trittst, hast du eine riesige Chance auf Weiterentwicklung.

Was sagt mir die Blockade?

Statt also Kraft darauf zu verwenden, den Widerstand aus dem Weg zu räumen,  frage dich, wodurch die Schreibblockade entstanden ist und reflektiere deine Situation.

  • Zweifelst du an deinen Fähigkeiten? Dann könntest du dich fragen: Für wen schreibe ich? Was bedeutet mir das Schreiben? Wer definiert mein Können? Worüber definiere ich mich?
  • Bist du überarbeitet und brauchst eine Pause? Dann könntest du dich fragen: Wie kann ich mich erholen? Woraus schöpfe ich Kraft? Was würde passieren, wenn ich mich entschließe, eine Pause vom Schreiben einzulegen?
  • Zweifelst du an deinem Projekt? Dann könntest du dich fragen: Was genau lässt mich zweifeln? Was brauche ich, um wieder in Schwung zu kommen? Wer oder was motiviert mich?
  • Weißt du nicht, wie der Text weitergehen soll? Dann könntest du dich fragen: Welche Information fehlt mir, damit ich weiterschreiben kann? Was muss ich recherchieren? Wo muss ich Ordnung schaffen?

Fazit: Nutze die Chance der Schreibblockade

Wer den eigenen Schreibprozess mit den stumpfen Werkzeugen der Selbstoptimierung reparieren will und sich zwingt mit eisernem Willen einfach irgendwie weiterzumachen, der läuft Gefahr das Kostbarste am Schreiben zu zerstören – diesen leisen Dialog, der sich zwischen Unterbewusstsein, Autor und Text entspinnt.

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