Der Freund – Sigrid Nunez

Der Freund, Roman von Sigrid Nunez
„Der Freund“ von Sigrid Nunez hat mich mit meiner Leseerwartung kollidieren lassen. Was ich mir darunter vorstellte, bekam ich nicht. Dafür ein versöhnliches Buch, das sich auf kluge Weise mit Trauer, dem Schreiben und der Beziehung zwischen Hund und Mensch auseinandersetzt. Am Ende blieb jedoch eine leise Enttäuschung.

Der Freund: Leseerwartung und Wirklichkeit

Versprochen hatten mir der Klappentext und die vielen positiven Rezensionen über „Der Freund“ von Sigrid Nunez einen optimistischen Roman über eine New Yorker Schriftstellerin, die nach dem Selbstmord ihres besten Freundes dessen trauernde, riesige Dogge bei sich aufnimmt. Die beiden arrangieren sich in ihrer winzigen Wohnung und überwinden dadurch die Trauer um den gemeinsamen Freund.

Viele schlaue Gedanken, wenig Handlung

So weit, so gut. Sehr gerne hätte ich mehr über den Riesenhund Apollo und die Beziehung zwischen Mensch und Tier gelesen, habe mich für die Beziehung zwischen der Ich-Erzählerin und dem verstorbenen Freund interessiert, wollte wissen, wie sich der Alltag mit dem Riesen-Vieh in New York gestaltet. Doch statt Story gab es literarische Exkurse. Zahlreiche Verweise zu anderen Büchern, zu Filmen und Autoren unterbrachen den Erzählfluss sehr oft. Dazu kamen viele Anekdoten über das Schreiben, über Schreibblockaden, über Studenten, die nicht schreiben können, über das Leben als Schriftstellersein. Das alles war nicht uninteressant, zahlte aber nicht auf die versprochene Handlung ein.

Mein Fazit zu „Der Freund“

„Der Freund“ lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Der Ton war versöhnlich und optimistisch. Die Sätze elegant. Der Kern der Handlung interessant. Und doch blieb für mich die ekstatische Begeisterung, die dieses Buch bei vielen Lesern hervorgerufen hat, leider aus.

Doch es hat mir Anstoß gegeben, mich mit meiner Leseerwartungen auseinanderzusetzen, was am Ende vielleicht noch viel wertvoller ist, als das Buch zu lesen, das ich erwartet habe…

Das Buch: Der Freund, Sigrid Nunez. Aufbau Verlag, 2020. 235 Seiten. ISBN: 978-3351034863.