Reread: Warum eine Relektüre so reizvoll ist

Warum ein Reread so reizvoll ist

Rereading, also die Relektüre eines bereits bekannten Buches, ist im Kindesalter noch ganz normal. Bilderbücher werden unzählige Male vorgelesen und durchgeblättert, und auch bei den ersten selbstgelesenen Büchern bleibt es in der Regel nicht bei der einmaligen Lektüre. Als Erwachsene lesen wir Bücher jedoch nur noch selten mehrmals. Warum?

Meist, weil die unzähligen Neuerscheinungen zu verlockend sind und der Stapel der ungelesenen Bücher zu hoch ist. Dabei kann das bewusste Rereading eines Buches bereichernd und vor allem sehr aufschlussreich sein. Mein Plädoyer für die Relektüre.

Was ist ein Reread?

Ein Reread (deutsch: die Relektüre) meint das wiederholte Lesen eines bereits bekannten Buchs.

3 ½ gute Gründe für das Rereading

Im Folgenden zeige ich dir anhand einiger Argumente, warum ein Reread so reizvoll ist und deinen Lesealltag bereichern kann. Dabei berufe ich mich auf meine eigene Erfahrung. Hast du andere Erfahrungen gemacht, freue ich mich sehr, wenn du diese mit mir teilst.

1.    Grund: Gönne dir mehr von dem, was dir guttut

Hast du ein Lieblingsbuch oder zumindest eines, an das du auch nach Jahren noch denkst? Ein Buch, das dich gepackt und seinerzeit nicht mehr losgelassen hat? Häufig sind das Bücher, die wir gerne empfehlen oder die wir schon mehrfach verliehen haben.

Bei einem solchen Buch liegt ein Reread eigentlich auf der Hand. Doch anstatt das Naheliegendste zu tun und dieses Buch einfach noch einmal zu lesen, suchen wir häufig bewusst oder unbewusst nach Büchern und Geschichten, die unserem Lieblingsbuch ähneln – in der Hoffnung auf eine Wiederholung dieses besonderen Leseerlebnisses. Nicht selten enden solche Buchkäufe in einer Enttäuschung, schließlich stehen wir dem neuen Buch und seinem einzigartigen Charakter nicht mehr offen gegenüber.

Gerade wenn sich Leseenttäuschungen häufen oder du vielleicht in einer Leseflaute steckst, kann ein Reread hilfreich und erholsam sein. Und warum solltest du dir nicht mehr von dem gönnen, was dir guttut?

2.    Grund: Erlange ein besseres Textverständnis durch die Relektüre

Ein weiterer Grund, der für ein Reread spricht, ist die Tatsache, dass du einen Text besser verstehst, je häufiger du ihn liest. Natürlich weißt du, wie ein bekanntes Buch ausgeht und wahrscheinlich wirst du es als weniger spannend erleben als bei der ersten Lektüre. Doch ein Buch lebt nicht allein von seinem Plot. Beim wiederholten Lesen werden dir Aspekte auffallen, die du vorher nicht bemerkt hast. Du wirst vielleicht einen Wesenszug einer Figur besser verstehen, eine Parallele in der Handlung wird dir auffallen oder eine Metapher, über die du beim ersten Mal einfach hinweggelesen hast.

Umso mehr Zeit und Aufmerksamkeit du einem Buch widmest, umso stärker wirst du dich der Intention des Autors annähern. Gerade bei einem Buch, das dich im Innersten berührt hat, ist das ein lohnenswertes Ziel.

2 ½. Grund: Knüpfe an den Vorgänger einer Serie an

Der nächste gute Grund für ein Reread ist eher pragmatischer Natur (und deshalb nur ein halber Grund 😉 ). Eine Relektüre empfiehlt sich immer, wenn du eine Serie von Büchern verfolgst und der Vorgänger schon eine Weile her ist. Dann macht ein Reread Sinn, um anzuknüpfen und dir die Zusammenhänge zu vergegenwärtigen.

3.    Grund: Starte mit der Relektüre eine Reise in deine Vergangenheit

Bei einer Relektüre kannst du nicht nur eine Menge über das Buch, sondern auch über dich selbst erfahren. Bücher, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind, sind immer auch abhängig vom Zeitpunkt, zu dem du sie gelesen hast. Nur weil du offen für dieses Buch warst, weil es eine entsprechende Passung in deinem Leben gab, konnte die Geschichte in dieser konkreten Lebenssituation bei dir auf fruchtbaren Boden fallen. Mit der Relektüre begibst du dich auf eine Reise in deine Vergangenheit und wirst dich unweigerlich mit deinem alten Ich auseinandersetzen.

Vielleicht wirst du dich fragen:

  • Gefällt mir das Buch heute noch?
  • Identifiziere ich mich noch mit den Werten, die die Geschichte transportiert? Oder habe ich heute eine andere Sichtweise?
  • Was genau hat mir damals so gut an diesem Buch gefallen?
  • Mit welcher Figur habe ich mich besonders identifiziert? Und warum?
  • Was war damals wichtig in meinem Leben? Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?
  • Wie geht es mir mit diesen Veränderungen?

Das Buch bleibt dasselbe, du veränderst dich

Bei der Relektüre wird das Buch zum biografischen Referenzpunkt. Denn ganz sicher wird der Text in der Zwischenzeit derselbe geblieben sein, nur du, du hast dich vielleicht verändert. Beim Rereading erzählt dir das Buch also nicht mehr nur seine Geschichte, sondern kann dir auch Auskunft über deine eigene Geschichte geben. Was für eine Chance!

Reread statt Lese-Challenge

Gerade wenn dich der Blick auf den Stapel ungelesener Bücher zunehmend stresst, statt glücklich zu machen, oder wenn du unzufrieden bist, mit der Anzahl ausgelesener Bücher pro Monat, gerade dann ist es ein guter Zeitpunkt, die Richtung zu ändern, aus den alten Mustern auszubrechen und etwas ganz anderes zu tun – einen Reread zum Beispiel, mit dem du deinem Lesen eine andere Dimension, eine tiefere Bedeutung gibst.

Ein Kommentar bei „Reread: Warum eine Relektüre so reizvoll ist“

  1. […] Kriterien Leser ihre Lektüre auswählen sollten, ob es legitim ist, ein Buch abzubrechen, was vom Rereading zu halten ist und ob Klassiker als Lektüre notwendig sind. Außerdem berät sie zur Frage, wie man […]

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