Platz schaffen im Stapel der ungelesenen Bücher

Den Stapel der ungelesenen Bücher ausmisten

Der Stapel meiner ungelesenen Bücher hat mich gestresst. Einige Bücher dümpelten schon seit Jahren in diesem Stapel herum und gaben mir das ungute Gefühl, sie endlich lesen zu müssen. Damit ist jetzt Schluss, ich habe erfolgreich ausgemistet!

Ein Stapel Vorfreude

Es fühlt sich für mich grundfalsch an, ein ungelesenes Buch wegzugeben. Ungefähr so wie Lebensmittel wegzuschmeißen, die man noch essen könnte. Oder Kleidungsstücke auszusortieren, die ich eigentlich noch tragen könnte.

Trotzdem habe ich es getan, ich habe meinen Stapel ungelesener Bücher auf ein realistisches Maß reduziert und mir so einen Stapel Vorfreude statt einen Stapel Verpflichtung neben das Bett drapiert.

Reduktion des Stapels ungelesener Bücher

Im Magic Cleaning, einem Aufräum- und Ausmistratgeber, gibt die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo den Tipp, jeden einzelnen Gegenstand, den man besitzt, in die Hand zu nehmen und sich zu fragen:

Macht mich dieser Gegenstand glücklich?“

Lautet die Antwort ja, darf der Gegenstand bleiben. Lautet die Antwort nein, kommt er weg. Ganz einfach, sehr effektiv und nachhaltig. Wer einmal seinen gesamten Hausstand auf diese Weise inspiziert hat, erlangt eine tiefe Wertschätzung für seinen Besitz und wird sich beim nächsten Spontankauf zweimal fragen, ob der Gegenstand wirklich dauerhaft glücksversprechend ist.

Macht mich dieses Buch glücklich?

Ich habe mich also meinem Stapel ungelesener Bücher gewidmet, jedes Buch in die Hand genommen und mir die Frage gestellt: Macht es mich glücklich? Freue ich mich darauf es zu lesen? Wenn sich ein Glücksgefühl eingestellt hat, dann unmittelbar und eindeutig.

Bei einigen Büchern kamen mir aber auch Gedanken wie:

  • Das Buch war ein Geschenk, ich sollte es jetzt wirklich mal lesen…
  • Das Buch wurde so positiv besprochen, deshalb müsste ich doch mal…
  • Ich habe es mir gekauft und es war ziemlich teuer, es wäre doch schade, wenn….
  • Ich sollte wirklich mehr Sachbücher/Lyrik/Biografien lesen, weil…

Habe ich mich bei diesen oder ähnlichen Gedanken ertappt, habe ich mich von diesem Buch getrennt. Denn der springende Punkt dieser Ausmist-Aktion war, mir einzugestehen, dass mir einige Bücher nicht guttun, sie aus irgendeinem Grund negativ besetzt sind, mich nicht glücklich machen. Also weg damit.

Wohin mit ungeliebten Büchern? 6 Tipps für eine zweite Chance

Was mir beim Magic Cleaning nicht gefällt, ist Kondos Ansatz, alles Aussortierte wegzuschmeißen. Ingesamt zielt die sogenannte KonMari-Methode zwar darauf ab, insgesamt weniger und bewusster zu konsumieren, was ich sehr gut finde. Doch ich denke, dass wir auch Verantwortung für die Dinge tragen, die wir loswerden wollen. Nicht nur für die, die wir behalten wollen. Und gerade für Bücher gibt es vielfältige Alternativen zum Papiermüll, die dem Buch und seiner Geschichte eine zweite Chance geben:

  1. Verkaufen: Auf Second-Hand-Büchermarktplätzen wie Medimops der Rebuy können ungeliebte Bücher ohne viel Aufwand verkauft werden. Andere Möglichkeiten sind Bücherflohmärkte vor Ort oder Privatverkäufe auf E-Bay.
  2. Öffentliche Bücherschränke bestücken: Unter Open Book Case sind europaweit über 3.600 öffentliche Bücherschränke aufgeführt, in die du deine ungelesenen Bücher 24/7 abgeben kannst.
  3. An die Bücherei oder Sozialkaufhäuser spenden: Eine gute Alternative, um Büchern eine zweite Chance zu geben, sind Spenden an Sozialkaufhäuser oder Büchereien.
  4. Bücher aussetzen: Wer sich für seine ungelesenen Bücher etwas mehr Action wünscht, kann sie auf eine kleine Reise schicken. Zum Beispiel über Bookcrossing. Hier setzt du dein Buch an öffentlichen Plätzen aus. Wer es findet, kann es mitnehmen und mit etwas Glück erfährst du, wohin es dein Buch verschlagen hat.
  5. Ungelesene Bücher verschenken: Ganz unkompliziert ist die Weitergabe deiner ungelesenen Bücher an Freunde, Verwandte oder Bekannte. Und wie heißt es so schön: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft 😉
  6. Den Stapel ungelesener Bücher auflösen: Wer sich so gar nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, seine ungelesenen Bücher wegzugeben, dem empfehle ich die Light Version des Ausmistens: Reduziere den Stapel deiner ungelesenen Bücher auf die Exemplare, auf die du in nächster Zeit wirklich Lust hast. Alle anderen sortierst du erstmal zurück ins Regal.

Perspektivwechsel: Bücher sind Möglichkeiten, keine Verpflichtungen

Neben der Reduktion der Menge an Büchern, hat mir auch ein Perspektivwechsel geholfen, ein Reframing, wie es in der Psychologie so schön heißt. Wenn ich im Stapel ungelesener Bücher den permanenten Auftrag sehe, mehr und schneller zu lesen, ihn „weglesen“ zu müssen, werde ich die Büchermenge als belastend empfinden. Bücher werden dann zu einer niemals enden wollenden Aufgabe, zu einem weiteren Punkt auf der To-Do-Liste.

Wenn ich aber meine ungelesenen Bücher als Möglichkeiten betrachte, als Vorrat für die Zukunft oder wie Felicitas von Lovenberg in der Gebrauchsanweisung fürs Lesen schreibt, als „eine volle Speisekammer für schlechte Zeiten“ (S.103), dann bekommt der Stapel der ungelesenen Bücher eine andere Bedeutung. Dann gibt er mir Sicherheit, dass ich niemals Lesehunger leiden muss, dass ich vielfältige Buchoptionen habe, auf die ich nach Belieben zurückgreifen kann.

Schluss mit Pflichtlektüre

Die Zeiten der Pflichtlektüre sind für die meisten Leser vorbei. Anders als in Schultagen dürfen wir uns heute aussuchen, welche Bücher wir lesen, in welchem Tempo wir lesen, wann wir damit beginnen und wann wir ein Buch beenden. Diese Freiheit sollten wir uns selbst nicht nehmen.

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