Leseziele fürs neue Jahr? Habe ich keine.

Leseziele 2019

Zum Jahresstart wird vielerorts von Lesezielen gesprochen: Lesevorsätze wie „2019 möchte ich 60 Bücher lesen“ fand ich erstmal interessant. Dann habe ich mich gefragt, ob ich mir selbst auch Leseziele setzen möchte und kam sehr schnell zur Antwort: Nein, auf gar keinen Fall!

Mein klares Nein zur Selbstoptimierung

Genauso wie ich mir keine Schreibziele setze, werde ich mir auch keine Leseziele setzen. Bücher sind für mich keine Parameter, die ich messen, auswerten und verbessern will. Und ich möchte mich und mein Leseverhalten nicht optimieren. Ich möchte die Freiheit haben, ein Buch wegzulegen, es mehrmals zu lesen, es langsam zu lesen oder es nie zu lesen, ohne dass ich mir Sorgen um meine Lesestatistik machen muss.

Die Reflexion qualitativer Leseziele

Was habe ich davon, wenn ich mir am 31.12.2019 auf die Schulter klopfen kann, weil ich ein mir selbstgestecktes, quantitatives Leseziel erreicht habe? Gibt es nicht viel spannendere Aspekte rund ums Lesen? Ich könnte mich am Ende des Jahres zum Beispiel fragen:

  • Welche Lektüre habe ich besonders genossen?
  • Habe ich mich durch die gelesenen Bücher weiterentwickelt? Habe ich neue Sichtweisen in mein Lebenskonzept integriert?
  • Durch welches Buch habe ich mich in meinen Gedanken und Gefühlen bestärkt gefühlt? Welches hat mich kalt gelassen, ärgerlich oder traurig gestimmt?
  • Konnte ich durch das regelmäßige Lesen Pausenzeiten in meinen Alltag integrieren?
  • Hat sich mein Leseverhalten verändert?
  • Mit welchen Menschen habe ich mich über Bücher ausgetauscht? Hat mir der Austausch gutgetan?

Lesen besteht aus Wegen, nicht aus Zielen

Ich habe per se nichts gegen Ziele. Ziele sind hilfreich, um die Orientierung zu behalten, sie können motivieren und anhand einer Zielkontrolle kann ich feststellen, ob ich noch in die geplante Richtung laufe.

Wenn ich mich aber zu stark auf mein Ziel konzentriere, mich monatlich messe und überprüfe, wie nah ich dem Ziel schon gekommen bin, wie achtsam kann ich den Weg dahin dann noch bestreiten? Bin ich noch in Verbindung mit mir selbst, wenn ich mich und mein Leseverhalten permanent kontrolliere?

Bücher sind meine Insel

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass mein Leben durchrationalisiert genug ist. Bücher und Geschichten sind meine Auszeit, meine Entschleunigung. Und ich vertraue darauf, dass ich am Ende des Jahres genau so viele Bücher gelesen haben werde, wie 2019 gut für mich waren.

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