Gebrauchsanweisung fürs Lesen – von Felicitas von Lovenberg

Rezension zur "Gebrauchsanweisung fürs Lesen"

Ein Buch über das Lesen, das klingt erstmal irgendwie redundant. Wieso soll man über das Lesen lesen, wenn man in der gleichen Zeit ein echtes Buch lesen könnte? Diese Frage hat sich mir nur kurz gestellt, denn schon nach wenigen Zeilen hat mich die „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ gepackt. Informativ und unterhaltsam nimmt die Autorin Felicias von Lovenberg den schönsten Zeitvertreib der Welt unter die Lupe. 

Hintergrund

Die „Gebrauchsanweisungen“ erscheinen seit 40 Jahren im Piper Verlag. Im Jubiläumsjahr 2018 hat die Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg nun selbst eine Gebrauchsanweisung verfasst – die „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“. Darin wendet sie sich an passionierte Leser, die sich – so viel will ich hier schon verraten – nach der Lektüre in ihrer Leidenschaft für Bücher und Geschichten bestärkt fühlen werden.

Aufbau, Darstellung und Sprachstil

Das kleine, in Leinen gebundene Buch umfasst rund 120 Seiten und ist in drei Kapitel gegliedert. In der Gestaltung bleibt die „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ eher unauffällig: Es gibt Zitate, die die Kapitel einleiten, Fließtext und Zwischenüberschriften – Konzentration aufs Wesentliche also 😉

Der Ton der „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ ist unterhaltsam, ohne zu banalisieren. Felicitas von Lovenberg stützt sich auf Studien, wissenschaftliche Erkenntnisse und auf zahlreiche Zitate von prominenten Lesebegeisterten. Hinzu kommen Passagen, in denen die Autorin über ihre eigenen Erfahrungen als Leserin schreibt und autobiografische Anekdoten rund ums Lesen einflicht.

Inhalt des Buches

Betrachten Sie dieses Büchlein also als eine Art Beipackzettel einer äußerst gesunden Tätigkeit mit Risiken und Nebenwirkungen“

(Felicitas von Lovenberg, S. 11)

Noch nie habe ich etwas so Begeistertes, so Leidenschaftliches und Glaubwürdiges über das Lesen gelesen, wie die ersten Seiten dieses Buches. Als Leserin fühlte ich mich sofort mit der Autorin verbunden und folgte ihr interessiert durch die folgenden Kapitel.

1. Kapitel: Wozu überhaupt lesen?

Nach einem kurzen Abriss über die Entwicklung des Lesens in der Menschheitsgeschichte führt die Autorin im ersten Kapitel viele Gründe auf, die fürs Lesen sprechen.

Zu den positiven Nebenwirkungen des Lesens zählt sie zum Beispiel:

  • den größeren Wortschatz, den Leser ganz automatisch aufbauen
  • die stärkere psychische Widerstandskraft von Lesern gegenüber Nichtlesern
  • die ausgeprägten sozialen Kompetenzen, die Leser ausbilden, weil sie es durch die Lektüre von Romanen gewohnt sind, sich in andere Menschen (Figuren) hineinzuversetzen

2. Kapitel: Wie lesen? Wann, wo, wie oft – und wann man aufhören sollte

Im nächsten Kapitel geht es um die Umsetzung des Lesens. Felicitas von Lovenberg stellt unter anderem verschiedene Leseorte und Lesezeiten vor, sowie Tätigkeiten, die sich mit dem Lesen gut kombinieren lassen. Außerdem geht sie in diesem Kapitel auf die Frage nach der Lesegeschwindigkeit ein und die Ordnung der eigenen Bibliothek.

Es ist ein Aufzeigen an Möglichkeiten, an Varianz und Diversität. Nur bei wenigen Themen gibt die Autorin eine klare Empfehlung, wie zum Beispiel bei der Frage, ob analog oder digital gelesen werden sollte. Bei ihrer Empfehlung für das analoge Lesen stützt sich die Autorin auf Studien, die belegen, dass das digitale Lesen weniger nachhaltig ist und sich Leser nach der Lektüre schlechter an den Inhalt des Buches erinnern können.

3. Kapitel: Was lesen? Von der Suche nach der richtigen Lektüre

Im dritten und letzten Kapitel widmet sich die Autorin der Frage, nach welchen Kriterien Leser ihre Lektüre auswählen sollten, ob es legitim ist, ein Buch abzubrechen, was vom Rereading zu halten ist und ob Klassiker als Lektüre notwendig sind. Außerdem berät sie zur Frage, wie man ein Buch bewerten darf/sollte. Dazu resümiert sie: „Je mehr man liest, desto besser lernt man sich selbst kennen, erfährt, was einem gefällt und warum, und desto mehr Vertrauen gewinnt man ins eigene Urteil.“

Mein Fazit

Vielleser sollten dieses Buch lesen: Es bestärkt, es verbindet, es wärmt. Und auch Nichtlesern oder Gelegenheitslesern kann ich die „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ ans Herzen legen. Denn letztendlich geht es in diesem Büchlein um weit mehr als nur ums Lesen – es geht darum, sich für etwas zu begeistern, sich den Gedanken anderer mit voller Konzentration zu widmen, sich eine Meinung zu bilden, sich zu entwickeln und zu reflektieren. Kurz: um einige der wertvollsten Qualitäten der Menschlichkeit.

Das Buch: Gebrauchsanweisung fürs Lesen. Felicitas von Lovenberg. Piper Verlag, 2018. ISBN: 978-3-492-27717-4

2 Kommentare bei „Gebrauchsanweisung fürs Lesen – von Felicitas von Lovenberg“

  1. […] der „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ habe ich mir nicht direkt wenig versprochen, aber es war doch das Buch, das mich 2018 am […]

  2. […] als Möglichkeiten betrachte, als Vorrat für die Zukunft oder wie Felicitas von Lovenberg in der Gebrauchsanweisung fürs Lesen schreibt, als „eine volle Speisekammer für schlechte Zeiten“ (S.103), dann bekommt der Stapel […]

Schreibe einen Kommentar