Die Kunst ein kreatives Leben zu führen – Frank Berzbach

Rezension: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen

„Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ und ich, wir hatten leichte Startschwierigkeiten. Nach einigen Seiten gelang es mir jedoch, mich auf dieses besondere Buch einzulassen. Nun möchte ich es jedem ans Herz legen, der bereit ist für eine achtsame Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität.

Ein langsam gewachsenes Buch

Die Kunst ein kreatives Leben zu führen ist ein besonderes Buch. Das weiß man spätestens sobald man das Vorwort gelesen hat. Darin beschreiben die Verleger des Hermann Schmidt Verlags, Karin und Bertram Schmidt-Friderichs, die Entstehungsgeschichte. Es sei ganz ohne Termindruck, mit viel Bedacht und in engem Austausch mit dem Autor entstanden.

Nach den Gesetzen der Buchbranche dürfte Die Kunst ein kreatives Leben zu führen damit eigentlich überhaupt nicht existieren. Doch der Erfolg gibt dem Buch, seinem Autor und den Verlegern recht: Seit der Veröffentlichung im April 2013 wurde bereits die 10. Auflage gedruckt (Stand: Januar 2019).

Aufwendige Gestaltung, außergewöhnliche Haptik

Die Gestaltung des rund 200 Seiten starken Buchs ist außergewöhnlich: Das angeraute Cover, die kupferfarbenen Prägungen, die graue (nicht schwarze!) Schrift, der Buchschnitt in Apricot sowie grafische Gestaltungselemente, die sich durch das Buch ziehen, machen die Optik und Haptik dieses Buchs zum Genuss. Schon vor dem Lesen vermittelt das Buch so einen Eindruck davon, was Achtsamkeit im kreativen Kontext bedeuten kann.

Zum Inhalt von „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“

Der Autor Frank Berzbach gliedert das Buch in sechs Kapitel, in denen er Aspekte der Kreativität beleuchtet und in Zusammenhang bringt:

Zum Beispiel

  • das Verhältnis von Mensch und Arbeit,
  • die Stille und Einsamkeit, die Kreativität benötigt,
  • den Zusammenhang von Kreativität und Spiritualität
  • den Umgang mit Kritik und negativen Gedanken im kreativen Prozess
  • sowie die Gefahr in kreativen Jobs auszubrennen.

Berzbach zitiert dabei Meister des Zen, aus dem Buddhismus, Christentum und der Philosophie. Damit öffnet er den Kontext und führt Kreativität raus aus Agenturen, Freelancer-Büros oder Home-Offices zurück zu ihrem Ursprung als Attribut der Menschlichkeit. Der Aspekt der Achtsamkeit findet sich in ebendieser Auseinandersetzung wieder, der behutsamen Rückschau, der erwartungslosen Feststellung des Ist-Zustands. Damit bleibt Achtsamkeit bei Berzbach ein eher vages Konzept, fernab von Praxisanleitungen und How-to-Do‘s. Das macht Die Kunst ein kreatives Leben zu führen an manchen Stellen recht abstrakt, dafür aber nicht weniger inspirierend.

Die in anderen Rezensionen häufig geäußerte Kritik, das Buch sei mit Zitaten überfrachtet und definiere sich so zu nicht mehr als Sekundärliteratur, kann ich nicht teilen. Im Gegenteil: Dadurch, dass Berzbach das Buch in der Geschichte und Diversität der Menschheit verankert, entstand für mich die Glaubwürdigkeit seines Textes.

Mein Fazit: Eine Anregung ist keine Anleitung

Ich muss zugeben, ich hatte zunächst auch mit etwas Konkreterem, etwas Praktischerem gerechnet, wohl eher einer „Anleitung zu Achtsamkeit“. Die Kunst ein kreatives Leben zu führen ist aber eine „Anregung zu Achtsamkeit“, wie der Untertitel des Buches unmissverständlich klarstellt. Und eine Anregung ist eben keine Anleitung. Seite für Seite gelang es mir, die Erwartung an das Buch abzulegen und mich darauf einzulassen, was Berzbach bietet: Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität.

Ich lege dieses leise, langsame Buch allen ans Herz, die sich eine Auszeit vom Alltag gönnen und schon mit dem Lesen die eigene Achtsamkeit trainieren wollen. Es muss eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein, um sich auf das Buch und seinen Inhalt einzulassen. Als eiliger Kreativer auf der Suche nach einem schnellen Achtsamkeits-Tutorial wird man mit diesem Büchlein vermutlich Schwierigkeiten haben. Wobei, vielleicht sollten gerade die, die es besonders eilig haben, dieses Buch lesen. Denn wie heißt es in einem alten Zen-Sprichwort: „Du solltest täglich 20 Minuten meditieren. Außer wenn du zu beschäftigt bist, dann solltest du eine Stunde meditieren.“

Das Buch: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen. Frank Berzbach. Verlag Hermann Schmidt, 2013.
ISBN: 978-3874398299

2 Kommentare bei „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen – Frank Berzbach“

  1. Danke für deinen Beitrag! Ich liebäugle schon lang mit diesem Buch und deine Rezension hat mich darin bestärkt, mit dem Lesen loszulegen 🙂 Ich finde es klingt nach einer guten Abwechslung zu „10 Tipps für …“- oder „3 Wege, um …“-Texten, die uns fertige Lösungen präsentieren, statt zum Nachdenken anzuregen. Freue mich auf die Lektüre!

    1. Wie schön, das freut mich sehr 🙂
      Und genau, es ist keine step-by-step Anleitung, sondern eine sehr komplexe Auseinandersetzung mit dem Thema Kreativität. Ich wünsche dir viel Freude damit!

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